FPnews 09/2011
Erstmals Rechtssicherheit auf elektronischem Weg: Ein Interview zur De-Mail mit Axel Janhoff.

Axel Janhoff, Vorstand der FP-Tochter Mentana-Claimsoft AG, über die Zukunft des elektronischen Briefverkehrs.
Herr Janhoff, wie ist der aktuelle Stand in Sachen De-Mail?
Die Technologie ist fertig und steht sozusagen in den Startlöchern. Derzeit befinden wir uns im Zertifizierungsprozess durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Sobald die Zertifizierung abgeschlossen ist, können unsere Kunden ihre ersten De-Mails verschicken – wir rechnen damit im ersten Quartal 2012.
Welche Anwender werden künftig am stärksten von der De-Mail profitieren?
Die De-Mail ist vor allem für Behörden und Unternehmen attraktiv. Die Bundesregierung geht selbst davon aus, dass im Wesentlichen diese Anwendergruppen die De-Mail nutzen werden. Beide Gruppen profitieren vor allem von den hohen Sicherheitsstandards der De-Mail. Mit ihr können zukünftig Dokumente verbindlich, vertraulich und rechtssicher elektronisch versandt werden, was bisher nicht ohne Weiteres möglich war. Dafür sorgt zum einen eine hochwertige Verschlüsselungstechnologie. Zum anderen muss sich jeder Nutzer erst registrieren lassen, bevor er die De-Mail nutzen kann – der Nutzerkreis ist also zweifelsfrei identifiziert. Darüber hinaus ermöglicht die De-Mail ihren Nutzern aber auch eine deutliche Kosteneinsparungen in der Bearbeitung der Ein- und Ausgangspost. Die Anwender sparen sich zum Beispiel das Handling rund um den physischen Brief: Ausdrucken, Kuvertieren, Freimachen entfallen. Hinzu kommen Einsparungen bei den Material- und Portokosten.
Welche Dokumente können künftig per De-Mail verschickt werden?
Besonders interessant ist der Versand per De-Mail für hochsensible Dokumente, die bisher per Brief rechtswirksam zugestellt werden konnten. Darunter fallen zum Beispiel Angebote, Rechnungen oder auch personenbezogene Daten. Einschreiben mit Rückschreiben können nun vollelektronisch versandt werden. Die De-Mail bietet erstmals Rechtssicherheit auf elektronischem Weg.
Wird die De-Mail die normale Briefpost verdrängen?
Nein. Wir sind davon überzeugt, dass es den Brief weiter geben wird. Nicht jeder Empfänger wird in Zukunft ein Online-Postfach haben. Außerdem kommt einem klassischen Brief immer noch besondere Aufmerksamkeit zu. Einem wichtigen Kunden schicke ich auch weiterhin gern einen selbst geschriebenen, persönlichen Brief – das ist ein Zeichen der Wertschätzung.
Welche Entwicklungen kommen Ihrer Meinung nach in den nächsten Jahren im Postbearbeitungs-Segment auf uns zu?
In zwei bis drei Jahren dürfte mehr digitale Post unterwegs sein als heute landläufig angenommen. Der Rechnungsaustausch über De-Mail wird die herkömmliche elektronische Rechnung zahlenmäßig überholen und die Zahl der Papierrechnungen reduziert sich. Es ist durchaus denkbar, dass dann zum Beispiel jede zweite B2B-Rechnung digital und vor allen Dingen per De-Mail versendet wird.