Pressespiegel: FACTS, Juli - August 2007
Viel vorgenommen
Der Fall des Briefmonopols wird spannend. Wichtig für den Frankiermaschinen-Hersteller Francotyp-Postalia ist, dass man gut aufgestellt ist und den Wandel zum Lösungsanbieter vollzieht, erklärt der Geschäftsführer der deutschen Vertrieb und Service GmbH, Roman Beck.
Spannend wird es ganz bestimmt", sagt Roman Beck nüchtern. "Aber eine revolutionäre Umverteilung der Marktanteile wird es nicht geben." Der Geschäftsführer der Francotyp-Postalia Vertrieb und Service GmbH weiß, dass der voraussichtliche Fall des Briefmonopols zum 1. Januar 2008 auf dem deutschen Markt für Postdienstleistungen kurzfristig keine nennenswerten Effekte bringen wird. „Der Fall des Telekommunikationsmonopols hat den Markt für Telefondienstleistungen auch nicht von heute auf morgen verändert" ,erklärt Beck. Schließlich müssen die neuen Anbieter die gewachsenen Strukturen des Monopolisten erst einmal aufbauen. Erster Ansprechpartner bei der Entwicklung von neuen Geräten bleibe deshalb zunächst die Deutsche Post AG, erklärt der Manager. „Natürlich ist FP auch bereits in Gesprächen mit den Unternehmen, denen wird künftig neben der Deutschen Post eine tragende Rolle zugetraut wird", sagt Beck. Zu nennen sei hier vor allem der niederländische Anbieter TNT und die deutsche PIN. Diese Gespräche sind für die Zukunft des Unternehmens sicherlich wichtig, sagt Beck. Doch viel wichtiger sei es, dass Francotyp sich rechtzeitig breiter aufstellt. „Wir stehen zwar bereits jetzt gut da. Aber zu verbessern gibt es immer etwas." „Allein Frankiermaschinen zu verkaufen wird in der Zukunft mit Sicherheit nicht mehr ausreichen", erklärt der Manager. „Wir müssen den Wandel vom reinen Produkt- zum Lösungsanbieter vollziehen."
MARKT IM WANDEL
Der deutsche Briefmarkt befindet sich schon seit Jahren im Wandel. Es entstehen neue Dienstleistungsbereiche. „Prozesse, die bislang von der Deutschen Post im Komplettpaket angeboten wurden, werden mittlerweile von anderen Unternehmen als Einzeldienstleistung angeboten", erklärt Beck. „Der Markt ist im Wandel und wir müssen zusehen, dass wir uns den aktuellen Gegebenheiten anpassen." Eine große Hilfe war dabei der Börsengang der Francotyp-Postalia Holding AG. Zwei Akquisitionen hat das Unternehmen im Zuge des Going Public abgeschlossen. Zum einen erwarb man 100 Prozent der Anteile an der freesort GmbH. Zum anderen kaufte das Unternehmen 51 Prozent der Anteile an der iab GmbH. Beide Unternehmen haben mit dem Kerngeschäft – dem Entwickeln und Produzieren von Frankiermaschinen – nichts zu tun. Die freesort GmbH ist ein so genannter Konsolidierer. Als Dienstleistung bietet das Unternehmen die Sortierung und Konsolidierung der Geschäftspost an. „freesort holt die Post bei seinen Kunden ab, sortiert diese in den Niederlassungen nach Postleitzahlen, konsolidiert die sortierten Briefe zu großen Sendungspaketen und liefert diese bei einem Briefzentrum der Deutschen Post AG ab", erklärt Beck. Für die Nutzung dieser Dienstleistung gewährt die Deutsche Post den Kundenmengenabhängige Rabatte, die sich derzeit zwischen drei und 21 Prozent bewegen. „Für die erbrachte Dienstleistung berechnet freesort dem Kunden zwar ein Serviceentgelt", räumt Beck ein, „aber durch die Rabattierung ergibt sich für die Kunden dennoch ein Sparpotenzial."
NAMENHAFTE KUNDEN
Die iab GmbH ist ein so genannter Hybridmail-Dienstleister. „Die Kunden versenden ihre gesamte Post elektronisch an die iab. Im dortigen Produktionszentrum werden die Briefe ausgedruckt, gefalzt, kuvertiert, frankiert und dem gewünschten Postdienstleister übergeben", erklärt Beck. Zu den Kunden gehören bereits viele namhafte Unternehmen aus Industrie und Handel, Verbände und Institutionen der öffentlichen Hand, Vereine, Städte und Gemeinden. „Typische Briefarten für diese Dienstleistung sind Mengenpost wie Rechnungen, Mahnungen, Bußgeldbescheide, Steuerbescheide, Sozialbescheide und sonstige Dokumente", sagt Beck.
GUTE ERGÄNZUNG
Beide Akquisitionen ergänzen das bisherige Kerngeschäft von Francotyp-Postalia hervorragend. Mit seinen Frankiermaschinen adressierte das Unternehmen bislang Kunden mitkleinen bis mittleren Briefvolumina. Die Dienstleistungen von freesort und iab zielen auch auf Kunden mit hohen Briefvolumina. Weitere Akquisitionen sind derzeit nicht geplant. „Doch wenn etwas Sinn macht und gut in unsere Unternehmensphilosophie passt, werden wir sicherlich künftig unsere Möglichkeiten ausloten", sagt Beck. „Alles andere wäre fahrlässig" – gegenüber den Aktionären, aber auch gegenüber den Kunden. Letztere legen schließlich mittlerweile vor allem Wert auf Komplettlösungen, auf den Service „aus einer Hand". „Deshalb legen wir einen zusätzlichen Fokus auf das Thema Posteingang", sagt Beck. Hier sei Francotyp noch zu schwach aufgestellt. „Ziel ist es, unseren Kunden in naher Zukunft eine komplette Postbearbeitungslösung zu bieten. Das fängt bei speziellen Möbeln an und hört bei Dokumenten-Management-Lösungen auf." Die Aussagen zeigen: Francotyp-Postalia hat sich viel vorgenommen. „Das müssen wir auch", sagt Beck. „Schließlich sind wir mit 45 Prozent Anteil der Marktführer in Deutschland." Und das soll wenn möglich auch so bleiben. Weltweit sieht sich das Unternehmen auf dem dritten Platz. Schärfste Konkurrenten sind Pitney Bowes und Neopost, die auch ein deutlich umfassenderes Produktportfolio aufweisen. „Die Produkte allein sind aber längst nicht mehr ausschlaggebend", ist sich Beck sicher. „Der größte Unterschied zu unseren Mitbewerbern ist, dass wir eine ausgeprägte Serviceorganisation mit einer hohen Servicequalität haben." Zudem sind die von Francotyp produzierten Frankiermaschinen „Made in Germany", was immer noch für Qualität und Zuverlässigkeit bürgt. In der Produktionshalle neben dem Hauptsitz im brandenburgischen Birkenwerder wird jede von Francotyp verkaufte Postbearbeitungsmaschine in Handarbeit hergestellt. Von dort aus gehen die Maschinen in insgesamt 86 Länder weltweit. Wichtigste Märkte sind laut Roman Beck Deutschland, die USA, Kanada, die Niederlande und England. Um die vertrieblichen Aktivitäten weiter voranzutreiben, will Beck in naher Zukunft die Vertriebsorganisation noch weiter ausbauen – strukturell, aber auch personell. Zu verbessern gibt es halt immer etwas.
INFO Briefmonopol
Das Briefmonopol ist eine im Postgesetz (PostG) verankerte, bis Ende 2005 beziehungsweise 2007 befristete Exklusivlizenz, die der Deutschen Post AG für den Transport von Brief- und Katalogsendungen bis 100 Gramm (2005) beziehungsweise 50 Gramm (2007) gewährt wird. Es handelt sich dabei um ein Angebotsmonopol, wenn auch nur über einen Teil des Markts. Die Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen (BNetzA) erteilt bereits seit 1998 Lizenzen zur gewerbsmäßigen Beförderung von Briefsendungen, für die keinerlei Gewichtsbeschränkung gilt. Allerdings müssen die entsprechenden Anbieter so genannte höherwertige Dienstleistungen erbringen, wie beispielsweise Eilzustellung am selben Tag oder eine Abholung der Post beim Absender.
Dadurch ergeben sich im Vergleich zum gewöhnlichen Briefversand zusätzliche Kosten, die es den Lizenznehmern in der Regelunmöglich machen, Briefe günstiger zuzustellen als die Deutsche Post AG im „Normalversand". Verschärft wird die Problematik dadurch, dass die Deutsche Post AG von der Umsatzsteuer befreit ist, die Leistungen der anderen Unternehmen aber umsatzsteuerpflichtig sind. In der Praxis lohnt sich ein Wechsel zu einem anderen Briefzustelldienst finanziell derzeit erst ab einem Tagesaufkommen von rund 40 Briefsendungen, da dann beispielsweise die Abholgebühr weniger ins Gewicht fällt und Zustellersparnisse so überwiegen können. Mittlere bis große Unternehmen mit 1.000oder mehr
Direktkunden können am ehesten profitieren.
Derzeit existieren Schätzungen zufolge 1.000 Unternehmen in Deutschland, die die Briefzustellung – meist in einem regional begrenzten Gebiet - anbieten. Kapitalgeber sind u. a. große Verlagshäuser (z. B. Axel Springer AG, WAZ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung), Verlagsgesellschaft Madsack, Verlagsgruppe Holtzbrinck), ausländische Postgesellschaften (z. B. Holländische Post, Schweizerische Post) und Logistik-Unternehmen (z. B. Fiege Gruppe). Daneben sind viele Kleinst-, Klein- und mittelständische Unternehmen tätig, denen jedoch wegen Qualitätsmängeln jederzeit der Marktaustritt droht.
Langfristig wird vermutlich wie in anderen Ländern, in denen der Briefmarkt liberalisiert beziehungsweise gänzlich geöffnet wurde, das ehemalige Staatsunternehmen - hier die Deutsche Post AG – einen Marktanteil von mehr als 90 Prozent behaupten können.