Pressespiegel: POSTMASTER-Magazin, Juli - August 2007
Vom Frankiermaschinen-Hersteller zum Ausgangspost-Vollsortimenter
"Wir wollen dem Kunden neue Lösungen anbieten" - ein Gespräch
mit Roman Beck, Geschäftsführer von Francotyp-Postalia Vertrieb
und Service GmbH und Karl-Peter Lackner, Vertriebschef von IAB.
Nach 85 Jahren Frankiertechnik und 85 Jahren Marktführerschaft von Francotyp- Postalia beginnt ein neues Zeitalter für Postmarkt und Freimachung. Der Frankier-Riese aus Birkenwerder bei Berlin hat begonnen, sich neu aufzustellen. Der Börsengang, der Kauf des Konsolidierungs-Spezialisten Freesort und die Allianz mit dem Output- und Hybridmail-Unternehmen IAB waren in den letzten Monaten Stationen auf dem Weg zu einer neuen Strategie. Wie ist der Weg der klassischen Frankiertechnik, welchen Weg geht das Unternehmen, das wie kein zweites mit der deutschen Poststelle verbunden ist?
Darüber sprachen wir mit Geschäftsführer der Francotyp-Postalia Vertrieb und Service GmbH.
Postmaster: Es spricht viel dafür, dass der 1. Januar 2008 das Datum für das Ende des Briefmonopols in Deutschland sein wird. Steht mit diesem Termin auch das Ende der klassischen Frankiertechnik auf der Tagesordnung?
Beck: Das ist eine Frage die man oft gestellt bekommt, und die Antwort ist ein klares Nein. Das Ende des Briefmonopols hat ja längst begonnen. Die Frankiermaschine ist natürlich unter Wettbewerbsdruck geraten, das ist vollkommen richtig. Sie wird aber am 1. Januar 2008 nicht der Vergangenheit angehören, sondern stellt sich ganz einfach neuen Herausforderungen. Der Frankiermaschinenmarkt in Deutschland ist nach wie vor stabil auf einem Niveau von ca. 233 000 Maschinen. Es ist zu erkennen, dass es durch die privaten Dienstleister Druck bei den Kunden gibt, die ein hohes Briefvolumen haben und die sich aus, so dass der Gesamtbestand am Markt sich mit einer ganz kleinen Aufwärtsbewegung stabilisiert hat. Es gibt Kunden, die wegen der niedrigen
Porti zu privaten Dienstleistern wechseln. Man kann aber auch erkennen, dass mancher Kunde dann auch wieder zurückkehrt. Vorteile gibt es nicht nur durch private Dienstleister, sondern auch durch die Flexibilität beim Nutzen einer Frankiermaschine.
Postmaster: Bei den Poststellen entsteht heute eine ganz neue Kosten- und Qualitätsverantwortung. Deshalb stellt man sich dort auch die Frage nach der technologischen Entwicklung. Ihr Haus ist ja nicht nur Marktführer, sondern oft auch Technologieführer. Wie sieht denn die Zukunft der Frankiertechnik aus? Gibt es eine Bewegung hin zu mehr Intelligenz, zur Integration verschiedener Entgeltsysteme und deren Optimierung? Ein System, das vorschlägt: Bei Auslandspost nehmen wir Carrier A, bei Schwerpost Firma B und bei Ortspost Dienstleister C? Denken Sie über so etwas nach?
Beck: Diesem Trend haben wir schon vor einiger Zeit Rechnung getragen. Wir bieten heute den privaten Dienstleistern auch Frankiermaschinen an, die einen speziellem Universal Postal Code beinhalten, also einen Barcode, der für die privaten Dienstleister nutzbar ist. Auch der Abwicklungsprozess wird für die privaten Dienstleister zukünftig mehr und mehr in den Focus geraten. Dort hat man ja zunächst auf eine eher einfache Art und Weise begonnen, das Geschäft zu etablieren. Je stärker dort das Thema Kosten in den Vordergrund rückt, desto interessanter wird es, über solche Technologien nachzudenken. Es gibt diese Gespräche, und wir laden die privaten Dienstleister ein, an der Technologie, die Frankiermaschine oder ähnlich heißen kann, mitzuarbeiten. Es bleibt natürlich die enge Verbindung zur Deutschen Post, unsere bewährte Kooperation über Jahrzehnte. Der größte Teil des Postvolumens wird auch in Zukunft über die DPAG laufen.
Postmaster: Jetzt hat sich Ihr Unternehmen bei Freesort und IAB engagiert. Welche Bedeutung hat für Sie der Markt des Briefoutputs und der Briefkonsolidierung, und welche Strategie steckt dahinter? Ist Francotyp-Postalia dabei, sich völlig neu im Markt aufzustellen?
Beck: In der Tat. Es ist bekannt, dass Francotyp-Postalia im November letzten Jahres Public gegangen ist, also an die Börse. In diesem Zusammenhang gab es natürlich auch Überlegungen, welche Bereiche sinnvoller Weise zukünftig zum Kreis von FP zu gehören könnten. Wir haben uns mit dem Thema Konsolidierung beschäftigt und beschlossen, einen Konsolidierungspartner mit an Bord zu nehmen. Das ist dann die Firma Freesort geworden, heute eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von Francotyp-Postalia. Dann kamen mit der teilweisen Übernahme der Firma IAB besonders innovative Themen wie Hybridmail und Outsourcing. Aber darüber kann Ihnen Herr Lackner mehr sagen.
Lackner: Ja, unsere Hauptthemen stehen im gleichen Zusammenhang wie die Positionierung von FP. Wir bieten dem Kunden an, seine Daten direkt an uns zu übergeben, und wir machen dann daraus seine Sendung. Wir sind in diesem Prozess etwas tiefer drin als Francotyp-Postalia und die reine Frankiertechnik. Das machen wir seit 10 Jahren, das Jubiläum haben wir in diesem Jahr schon gefeiert. Die Zielsetzung ist, dem Kunden eine Komplettlösung zu geben, die es ihm erlaubt, seinen gesamten Postausgang zu outsourcen: Ich erzeuge als Auftraggeber nur die Daten, und dann habe ich jemanden, der sie professionell übernimmt, sie verarbeitet, Sendungen daraus macht, und der diese auch möglicherweise konsolidieren und die Portorabatte an den Kunden weitergeben kann. Das ist unser Geschäft im Großen und Ganzen.
Beck: Aus der Vergangenheit ist Francotyp-Postalia als Hardware produzierendes und vertreibendes Unternehmen bekannt. Nach dem Börsengang und den Zusammenschlüssen, von dem wir gerade gesprochen haben, wollen wir zukünftig auch andere Wege gehen und dem Kunden Lösungen anbieten. Wir haben also die Frankiermaschine im Angebot, aber für die Eigenheiten und Prozesse des Kunden auch eine Kombination der Dinge, über die wir gesprochen haben, von der Hybridmail bis zur Konsolidierung.
Postmaster: Also eine Firma Francotyp-Postalia als Briefpost-Vorstufen-Company?
Beck: Exakt, im Prinzip die Beratungs-Company mit dem Background, auch verschiedene Möglichkeiten zur Postbeförderung anzubieten.
Lackner: Wo der Kunde die Frankiermaschine einsetzt, soll er dass auch tun. Wo er sich dazu entschließt, den gesamten Prozess zu verlagern, kann man ihm die IAB-Lösung im Rahmen des Francotyp-Postalia Konzerns anbieten und weiterhin eng zusammenarbeiten.
Beck: Die Frankiertechnologie ist ja für Großkunden weniger interessant als für mittlere oder für kleine Nutzer. Bei unserer bisherigen Strategie haben wir uns deshalb auf das kleine und mittlere Kundensegment konzentriert. Wir sind aber der Meinung, dass auch der Großkunde Alternativen sucht, und das ist ja nicht zwingend die Frankiertechnologie. Wir wissen, dass hier Alternativen von den Kunden gefordert werden, dass wir neben einer Frankiermaschine auch für große Briefvolumina Alternativen anbieten müssen.
Postmaster: Ja, mit der klassischen Frankiertechnik ist Ihr Haus mehr in die Breite als in die Tiefe des Marktes gegangen. Mit diesen Akquisitionen begeben Sie sich jetzt in die Mitte des Großmengen-Poststromes. Kann man sagen, dass dieses Jahr für Sie das Jahr der Vorbereitung auf neue Postzeiten ist?
Beck: Ganz genau so sehen wir das. Wir bewegen uns in die Mitte des Marktes, und ich denke, wir sind hervorragend gerüstet, mit verschiedensten Produkten und Dienstleistungen dem Kunden etwas Adäquates anbieten zu können. Mit der Hybridlösung von IAB sind wir ebenfalls hoch innovativ aufgestellt.
Lackner: Im Prinzip bieten wir das ganze Spektrum von der physischen Frankierung bis hin zur elektronischen Konfektionierung. Wir können die ausgehende Post für unsere Kunden archivieren und dem Callcenter zur Verfügung stellen, wir können differenzieren, wenn ein Teil der Post als Fax rausgehen soll, und nicht als Brief, oder als eMail rausgehen oder als ein elektronisches Bild versendet werden soll - die ganze Breite des Kommunikationspartners, von der physischen bis hin zur elektronischen Verarbeitung.
Postmaster: Vielen Dank.